Wie ZENDESIGN in die Alpen kam

Irgendwo im Berner Oberland gibt es ein Hochtal. Es zieht sich kilometerweit zwischen den gewaltigen Bergen nach hinten und hoch zu Gletschern und Firnen. Für mich hat dieses Tal in seiner ursprünglichen Kargheit etwas Meditatives.

In dieser Umgebung wollte ich meinen Tisch im ZENDESIGN photographieren. Wie würde sich diese reine und auf das Wesentliche reduzierte Form in die grossartige, unverfälschte Bergwelt einfügen?

Im Winter ist dieses Hochtal ganz den rauen Naturgewalten überlassen, der Mensch muss sich im Spät - Herbst ins Tal zurückziehen. Schnee, Eis, Lawinen und Wasser verändern die Landschaft ständig und erinnern an das Werden und Vergehen des Lebens. Wann wird der erste ZEN-Mönch diesen Ort entdecken und vielleicht in einer der kleinen Hütten überwintern?

Im Sommer erblüht die Alpen-Flora wieder in ihrer ganzen Pracht. -
Alte Wanderpfade führen auf über 3000 m Höhe. Ueber steinige Wege, Felsen und Gletscher kann in rund 8 Stunden das Wallis zu Fuss erreicht werden.



Das Tal wird zum Eldorado für Naturliebhaber.
Ganze Familien picknicken bei einer Feuerstelle im Wald, Kinder vergnügen sich am Wasser des Flusses, machen ihre ersten Kletter-Versuche.

Und da kam mir die Idee, diesen Tisch bei einer bestehenden Bank und Feuerstelle einfach stehen zu lassen, „auszusetzen“. Würde er beschädigt, verschleppt, gestohlen? Oder wäre er in seiner Einfachheit ganz selbstverständlich einfach da?
Es war am 11. Juni 2005.



Und jetzt, Anfang August 2005, der Tisch steht noch immer da, mit Gebrauchsspuren zwar, sonst unversehrt. Die feinsten Picknicks werden an ihm verzehrt, das Handorgel-Duo spielt auf, das Wasser des wilden Flusses rauscht, die Sonne lacht.

Mit dem Verantwortlichen der Gemeinde habe ich vereinbart dass ich ihn etwa Ende September wieder hole; ich bin sicher er wird noch da sein...



Am 22. August 2005 war der Tag an dem in der Schweiz viele Flüsse und Seen über die Ufer traten. Auch im Hochtal regnete es schon am Tag davor in Strömen; trotz dem Regen habe ich mit Freunden einen Ausflug dorthin gemacht. Unzählige Wildbäche stürzten sich links und rechts über die Felsen ins Tal hinunter. Ein gewaltiges Erlebnis.



Dem Tisch ist nichts passiert, am 10. September 2005 habe ich ihn wieder besucht. Völlig unbeschädigt steht er nun seit 3 Monaten hier. Die Jagdsaison beginnt; schon in einem Monat werden die Einheimischen das Hochtal wieder räumen und über den Winter ins Tal ziehen.